Freie Presse am 21.07.2012

Pflegehelferin: Ausbildung bietet Chancen


Viele Pflegeeinrichtungen suchen Mitarbeiter. Ein Zschopauer Bildungsverein hat mit einer Weiterbildung für Arbeitslose darauf reagiert.

Von Gudrun Müller


Zschopau/Marienberg - Ihre neue Arbeit bereitet Katrin Dünnebier viel Spaß: "Die Pflegebedürftigen sind für jede Hilfe dankbar. Meine Arbeit ist abwechslungsreich. Es ist der Job, den ich immer gewollt habe", sagt die 29-jährige Mutter eines elfjährigen Sohnes aus Marienberg.


Katrin Dünnebier ist seit Mitte Juni beim DRK-Pflegedienst in Marienberg als Altenpflegehelferin tätig. "Sie passt in unser Team, ist sehr engagiert und auch fachlich gut vorbereitet", lobt Susan Tanneberger, Referatsleiterin Soziale Dienste beim DRK in Marienberg, die neue Mitarbeiterin.


"Das ist der Job, den ich immer gewollt habe." Katrin Dünnebier, Pflegehelferin


Befähigt wurde die junge Frau für die Arbeit als Pflegehelferin mit neun weiteren Teilnehmerinnen in einer Fortbildung des Zschopauer Bildungsvereins Euraka. Sie habe sich bemüht, diese Ausbildung, die ihr gefallen habe, zu erhalten, schildert Katrin Dünnebier.


Ausgangspunkt für das Bildungsvorhaben des Zschopauer Vereins war der große Bedarf an Fach- und Hilfskräften für die Pflege. So hat das Kölner Wirtschaftsinstitut bis 2020 einen Gesamtbedarf von zusätzlich 400.000 Pflegekräften in Deutschland prognostiziert. Als der Verein Ende August 2011 den ersten Kurs begann, gab es in Sachsen aber noch keine Pflegehelfer-Ausbildung mit anerkanntem Abschluss. Deshalb orientierte sich die Euraka an den Lehrplänen aus dem Land Thüringen, sagte Katharina Kretschmar, sie ist im Verein Ansprechpartnerin für die Pflege-Kurse. Die Zschopauer Variante ist vor allem eine Qualifikation und Weiterbildung, die mehr als 1300 Stunden umfasst.


Danach erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat und eine Bescheinigung für eine Zusatzqualifikation für die Betreuung Demenzkranker. Die Kosten von 4000 Euro pro Teilnehmer haben die Arbeitsagentur und das Jobcenter übernommen. Zur achtmonatigen Ausbildung gehören zwei Praktika für insgesamt neun Wochen in Pflegeeinrichtungen. Sonst erfolgt fünfmal wöchentlich in Vollzeit der Unterricht in Zschopau.


Lehrkräfte sind beispielsweise die Diplom-Pflegepädagogin Susanne Hantke und Rena Umlauf, Diplommedizinpädagogin für Alten- und Krankenpflege. Die Teilnehmer würden auf Pflegesituationen vorbereitet, dafür befähigt und lernen, Krankheitsbilder bei alten und kranken Menschen zu erkennen, ist im Verein weiter zu erfahren.


Die ersten Teilnehmer haben ihre Ausbildung abgeschlossen, ein neuer Kurs hat schon begonnen. Nur eine Frau habe gesundheitsbedingt die erste Weiterbildung abbrechen müssen. Drei haben bereits mit dem Zertifikat eine Arbeitsstelle bekommen, für einige stehen laut Bildungsverein noch Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern an. Es gibt aber auch Frauen mit kleinen Kindern, die im Moment für eine solche Arbeit nicht mobil genug sind, erläutert Kretschmar.


Im neuen Durchgang der Weiterbildung sind wieder sieben Langzeitarbeitslose dabei, die den Bildungsgutschein vom Jobcenter erhalten haben, drei kommen von der Arbeitsagentur. Mittlerweile gebe es in Sachsen auch eine zweijährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Aber Katharina Kretschmar empfindet die Weiterbildung gerade für Frauen, die lange arbeitslos waren, als eine Alternative zum Wiedereinstieg.


Bildtext: Die 77-jährige Ilse Schlißio aus Lippersdorf bekommt von der Altenpflegehelferin Katrin Dünnebier von der DRK-Sozialstation in Marienberg ihre Blutdruckwerte erklärt. Die 29-jährige Pflegehelferin hat ihre Ausbildung in Zschopau absolviert. - Foto: Jan Görner